ANLAGENTECHNIK

ENTSORGUNGSSICHERHEIT AUF HOHEM TECHNISCHEM NIVEAU

Verbrennung

WAS MACHT EINE GUTE VERBRENNUNG AUS?

Eine gute Verbrennung bedeutet für die MVA Hamm vor allem eins: umweltbewusst und effizient zugleich.

  • EINGANGSKONTROLLE

    Nach Eingangskontrolle und Verwiegung werden die Abfälle ohne weitere Zerkleinerung oder Vorbehandlung in den Müllbunker abgekippt. Für sperrigen Abfall besteht die Option der Zerkleinerung mit einer Rotorschere, die im Bunkerbereich untergebracht ist.

  • Kesselbeschickung

    Die Kesselbeschickung der vier baugleichen Verbrennungslinien erfolgt durch zwei Krananlagen mittels derer der Abfall auch durchmischt wird, um einen möglichst gleichmäßigen Heizwert zu erzielen. Dies ist für eine optimale Verbrennung erforderlich.

  • Verbrennung

    Der Abfall - bis auf An- und Abfahrvorgänge - verbrennt eigenständig, also ohne Zufuhr von weiteren Energieträgern. Die für die Verbrennung erforderliche Luft wird aus dem Müllbunker abgesaugt, so dass durch den leichten Unterdruck keine Geruchsbelästigung in der Umgebung der Anlage auftreten kann.

  • Kesselraum

    Der Abfall gelangt über den Aufgabetrichter auf den dreistufigen Vorschubrost in den Kesselraum, der eine Grundfläche von ca. 33 m² hat. Durch die Bewegung der Roststäbe wird der Abfall durch den Ofen geschoben. Die Verweilzeit im Feuerraum beträgt je nach Abfallzusammensetzung zwischen 30 und 60 Minuten. Die Temperatur im Kesselraum beträgt zwischen 900 °C und 1050 °C.

  • Rauchgasreinigung

    Die bei der Verbrennung entstehenden Rauchgase werden auf 230 °C bis 280 °C abgekühlt und durchlaufen die weiteren Reinigungsstufen (Rauchgasreinigung). Die dabei erzeugte Dampfmenge wird den beiden Turbinen/Generatoren-Anlagen zur Stromerzeugung zugeführt (Energienutzung).

  • Nassentschlacker

    Über den Nassentschlacker wird die feuchte Schlacke auf Muldengurten aus dem Gebäude zum Schlackeplatz transportiert (Verbrennungsrückstände).

    Durch die thermische Behandlung wird der Abfall auf ca. 30 % des Eingangsgewichtes und auf ca. 10 % des Eingangsvolumens reduziert.

RAUCHGASREINIGUNG

Bei jeder Verbrennung unter Zugabe von Luft entstehen Rauchgase. Die Schadstoffbelastung des Rauchgases bei einer MVA hängt in erster Linie vom Eintrag schadstoffhaltiger Produkte in den Siedlungsabfall ab. Deshalb hat z.B. dieseparate Erfassung von Problemabfällen durch die Schadstoffsammlung eine große Bedeutung.

Die Abfälle werden im Verbrennungsraum bei einer Mindesttemperatur von 900 °C verbrannt. Die bei dem Verbrennungsprozess entstehenden organischen Bestandteile werden durch die hohe Temperatur zerstört.

Das Rauchgas der MVA Hamm durchläuft mehrere Rauchgasreinigungsstufen, bevor es über den Kamin als Reingas emittiert wird. Die Rauchgasreinigung jeder Verbrennungslinie besteht aus den folgenden Verfahrensschritten:

Entstick­ung

Bereits im ersten Kesselzug direkt über der Feuerung erfolgt die Entstickung nach dem SNCR-Verfahren (Selektive nicht-katalytische Reduktion). Sie erfolgt durch Eindüsung einer Harnstofflösung bei 900 bis 1050 °C. Dabei reagieren die Stickoxide mit dem Harnstoff zu Stickstoff, Kohlendioxid und Wasserdampf.

Grobstaub­abscheidung

Hinter dem Dampferzeuger sorgt der ZykIon (Abscheideleistung ca. 80 %) für die Abscheidung der gröberen Staubteilchen aus dem Rauchgas. Die abgeschiedenen Flugstäube werden zu einem Silo befördert.

Sprüh­absorption

Eine Kalkmilchsuspension - bestehend aus einer Mischung von Kalkhydrat und Wasser - wird in das Rauchgas eingedüst und reagiert im Absorptionsturm. Dort werden alle Betriebswässer eingedampft, so dass die Anlage abwasserfrei arbeitet.

Die Schadstoffe Chlorwasserstoff (HCI), Fluorwasserstoff (HF) und Schwefeldioxid (SO2) werden chemisch an den Kalk gebunden. Das zur Abkühlung des Rauchgases von 230 - 280 °C auf ca. 170 °C in den Absortionsturm eingespritze Wasser bewirkt gleichzeitig einen Niederschlag der in Spuren im Rauchgas vorhandenen Schwermetalle, wie z.B. Zink, Blei und Cadmium.

Adsorptions­verfahren

Zur weiteren Abscheidung von Schadstoffen wird ein trockenes Adsorptionsmittel bestehend aus Kalkhydrat (Ca(OH)2) und 3 bis 5 % Aktivkohle eingeblasen. Dabei werden Dioxine/Furane sowie verbleibende Schwermetalle wie beispielsweise Cadmium, Thallium und Quecksilber an den Aktivkohlepartikeln gebunden. Gleichzeitig erfolgt die Restabscheidung der sauren Bestandteile HCI, HF und SO2 durch das zusätzlich eingebrachte Kalkhydrat.

Partikel­abscheidung

Anschließend wird das Rauchgas einem Gewebefilter zur Partikelabscheidung (Staub, Salze) zugeführt. Der Gewebefilter besteht aus vier Filterkammern mit 672 Filterschläuchen. Auf der Außenseite der Filterschläuche baut sich ein sogenannter Filterkuchen auf, in dem eine letzte Abscheidung der noch verbliebenen Schadstoffe erfolgt. Der Filterkuchen wird pneumatisch entfernt und über ein Austragssystem in die Siloanlage für Reaktionssalze befördert.

Nach dieser letzten Reinigungsstufe erfolgt die Ableitung der Reingase über einen 90 m hohen Kamin.

Technische Daten

Zahlen und Fakten

Die MVA Hamm ist gläsernd für jeden - ob als Anlieferer oder Interessierter der MVA.

Inbetrieb­nahme

1985

Weitere Maßnahmen

Optimierung der Rauchgasreinigung nach 17. BImSchV in 1994

Verbrennungs­einheiten

4 baugleiche Verbrennungslinien

Verbrennungskapazität

Ca. 287.000 t/a (abhängig vom Heizwert des Abfalls)

Mitarbeiter

Ca. 95 Mitarbeiter bei der MHB Hamm
Betriebsführungsgesellschaft mbH

Anlagenfläche

16.150 m2

Baufläche

6.000 m2 / Grundfläche Baukörper

Bunker

13.000 m3 Gesamtvolumen
aufgeteilt in zwei Bereiche mit insgesamt 11 Abkippstellen

Krananlage

 2 Brückenkräne mit je einem 4-Seil-Mehrschalengreifer Greiferinhalt ca. 4 m3

Schornstein

Kamin mit 4 Zügen
90 m Höhe

Feuerungssystem

Vorschubrost

Rostfläche

33,1 m2 je Kessel

Durchsatz

9 bis 10 t Abfall pro Stunde und Linie

Verbrennungsleistung

25 MW je Linie

Dampfparameter

40 bar bei 400 °C

Verbrennungstemperatur

i.d.R. zwischen 900 und 950 °C

Rauchgasmenge

Ca. 50.000 Nm³ pro Stunde und Kessel

Rauchgasreinigung

 Quasitrockenes Rauchgasreinigungsverfahren mit SNCR, Flugstromverfahren und Gewebefilter

Stromerzeugung

3 Turbogeneratoren mit 24,7 MW Nennleistung

Fernwärmeerzeugung

25 MW